Zur Wahrnehmungsqualität zeitgenössischer Landschaftsräume

Heike Schäfer


Abstract: Nicht nur in den Metropolregionen hat sich Landschaft in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert, manchmal schleichend aber mitunter auch in rasanter Geschwindigkeit. Es sind die Auswirkungen der Globalisierung von ökonomien und der zunehmenden Vernetzung und Urbanisierung von Lebensstilen, die sich umfassend in allen Ebenen der Landschaft bis in die ländlichen Räume niederschlagen. Sie führen überall dort, wo Landschaft intensiver Nutzung unterliegt, zur Auflösung gewohnter Landschaftsbilder mit ihren spezifischen Identitäten, die bislang das Wesen von Kulturlandschaft charakterisierten und den Menschen in räumlicher wie auch kultureller Hinsicht Orientierung vermittelten.
Ob in den unübersichtlichen Patchwork-Landschaften der Stadtregionen oder in den maßstabslosen Weiten von Agrarlandschaften – vieles spricht dafür, dass Grundqualitäten der Orientierung in den sich dynamisch wandelnden Landschaften verloren gehen. Orientierungsverlust kann für die Menschen zur existenziellen Bedrohung als auch zum Risiko für die Zukunftsfähigkeit ganzer Regionen werden, denn Landschaft ist nicht nur ein Bezugssystem der Orientierung für die Menschen der Region sondern auch für die Akteure planerischen Handelns. Die einseitige Konservierung traditioneller Landschaftsbilder ist keine Option, denn auch sie trägt zur ernsthaften Gefährdung lebendiger Landschaften und entwicklungsfähiger Regionen bei.
Neue Landschaften erfordern eine kritische Hinterfragung aktueller Sehtraditionen und ein Umdenken in der Planung um nicht gesichtslos zu werden. Aber existiert heute überhaupt ein Bewusstsein für die spezifischen Eigenschaften und Identitäten dieser neuen Typologien von Landschaft? Welche planerischen Antworten können für den Umgang mit Orientierungsproblemen in heutigen Landschaften gefunden werden? Welchen Beitrag zur besseren Lesbarkeit neuer Landschaftsbilder kann die Landschaftsarchitektur leisten? Für die Metropolregionen sind diese Fragen von besonderer Relevanz, denn Landschaft stellt ein strategisch wirksames Medium zur Kommunikation regionaler Planungen dar und schafft wichtige Zugänge zur gesellschaftlichen und politischen Verständigung über räumliche Entwicklungen und deren Qualifizierung.
Um die Identitäten neuer Erscheinungsformen von Landschaft künftig in angemessener Form entwickeln zu können, bedarf es als Ausgangsbasis einer grundlegenden Untersuchung jener Merkmale und Eigenschaften, die zur Bestimmung zukünftiger Potentiale und Qualitäten von Landschaft entscheidend sind. Sie müssen innerhalb der Metropolregionen für alle Akteure nachvollziehbar kommuniziert werden. Wie lassen sich die neuen Charakteristika effizient erfassen und zutreffend beschreiben, insbesondere in ihrer spezifischen Wesensart wie auch im Unterschied zu historischen Vorbildern? Hier sind neue Erfassungsmethoden erforderlich, die geeignet sind, das Wissen über Landschaft insbesondere auch in einem interdisziplinären Kontext zu vermitteln.